Monika Deutschbein

# Warum Krimi?

 

Auf die Frage "Warum gerade Krimi?" würde Monika Deutschbein antworten: "Weil es mir großen Spaß macht, in die Rollen der Kommissare, Täter oder der Opfer zu schlüpfen."

 

Monika Deutschbein ist in vielfältiger Hinsicht künstlerisch tätig. Sie liebt das Malen ebenso wie das Schreiben.

© Monika Deutschbein
© Monika Deutschbein

# Leseprobe aus "Mörderisches Buffet"

 

Backe, backe Brot, und dann war er tot
Niederorschel

Herbst 1964
„Du Günter, lass uns nochmal die Bergstraße runtersausen, das macht so einen Spaß.”
„Eigentlich muss ich ja nach Hause, Mutter wartet mit dem Abendbrot. Aber wenn du meinst,
fahren wir noch einmal, dann haben wir Schwung bis ins Jähndorf.”
Sogleich bretterten Günter und Helmut mit ihren Rädern die Bergstraße hinunter.
Durch die Jähndorfstraße floss der Mühlgraben, der kurz vor der Kurve zum Marktplatz in
einen Wasserfall mündete, dann, zunächst sprudelnd und später gemächlich, weiter
plätscherte. Als nun die beiden Jungen nach der rasanten Abfahrt fast im Schritttempo ihre
Heimfahrt antraten – so eilig hatten sie es nicht mit dem Abendbrot – fiel Günter etwas
Merkwürdiges auf.
„Helmut, guck doch mal! Das Wasser im Mühlgraben hinter dem Wasserfall ist rosa.”
„Oma hat immer gesagt, dann färben die Zwerge im Widdei wieder ihre Sachen. Dann ist das
Wasser im Mühlgraben rot.”
„Aber Helmut, dann wäre es ja auch im Jähndorf schon rot, ist es aber nicht. Außerdem sieht
es aus wie Erdbeermilch.”
„Komm doch mal her! Da liegt was im Wasser unterhalb des Wasserfalls”, rief Helmut
aufgeregt.
„Das scheint ziemlich groß zu sein.”
„Es ist ein großes Bündel, da hängt noch ein Sack dran.”
„Was kann das sein? Wer hat das wohl hineingeworfen?”
„Das müssen wir der Polizei melden. Vielleicht ist da Gift drin.”
„Am besten, wir gehen zum ABV und melden die Sache.”
Herr Pfützenreuter, der Abschnittsbevollmächtigte, wurde durch die Jungen informiert und
kam umgehend herbei. Bald fischten ein paar starke Männer mit langen Stangen und Harken
das Ungetüm aus dem Mühlgraben unterhalb des Wasserfalls. Das verschnürte Bündel, das in
Säcken eingepackt war, wurde aufgeschnitten. Zum Vorschein kam die Leiche eines Mannes
in ursprünglich karierter Hose und weißer Jacke. Die Bäckerkluft war blutdurchtränkt. Der
Sack, der daran hing, erwies sich als Mehlsack. Das Gesicht des Toten war bis zur
Unkenntlichkeit zerschlagen, der Schädel war zertrümmert. Außerdem wies die Leiche
zahlreiche Wunden auf.
Helmut und Günter, die aus einiger Entfernung zugeschaut hatten, traten nun an Herrn
Pfützenreuter heran.
Günter fragte: „Bekommen wir nun eine Belohnung?"
„Geht nach Hause! Eure Eltern machen sich sicher schon Sorgen. Das muss erst mal
untersucht werden.”
„Wartet mal Jungs!” Der geistig behinderte Theo kam eiligen Schrittes herbei. „Guckt mal,
was für einen schönen Stein ich beim Antonius im Bruch gefunden habe! Den schenke ich der
Anna aus der Bäckerei. Vielleicht gibt sie mir ein Rosinenbrötchen dafür.”
„Aber die Bäckerei ist doch heute zu”, informierten ihn die Jungen. Als Theo die
Menschenansammlung wahrnahm, ging er näher heran und sah die Leiche. Erschrocken und
ängstlich stob er davon.
Herr Pfützenreuter ließ sich über das Telefon im Rathaus eine Verbindung zur
Kriminalpolizei in Erfurt herstellen und berichtete von dem grausigen Fund. Zwei Stunden
später trafen Genosse Robert Schumann, Oberleutnant der Kriminalpolizei, und sein Kollege,
Leutnant Hans-Werner Mantisloh, vom Morddezernat Erfurt ein. Sie begannen ihre Arbeit,
indem sie die Leiche inspizierten.