Ja, es macht mir etwas aus ...

 

GEDANKEN

 

Letztes Jahr hatten wir im Garten an unseren Obst- und Nussbäumen weder Kirschen noch Walnüsse. Das haben wir sehr zu spüren bekommen, da ich jedes Jahr einkoche und die Walnüsse sammele. Die meisten Walnüsse horte ich, um die Vögel durch den Winter zu bringen, einige sind für das Eichhörnchen, der Rest für uns, wenn ich denn mal Kuchen backe. Passiert nicht oft, also fallen für uns die fehlenden Walnüsse nicht sehr ins Gewicht. Für die Tiere schon!

 

Dieses Jahr hatten wir keinen Spätfrost. Wir werden Obst und Nüsse haben, aber ich sehe kaum Bienen. Doch, wir haben Bienen und Hummel, aber mir ist, als ob es früher auffälliger gesummt und gebrummt hätte. Was wir nach wie vor reichhaltig in unserem Garten und sowieso überall haben, sind Mücken.

 

Diese lästigen Biester werden angesichts des Insektenrückgangs auf einmal zu einer wertvollen Tierart. Schlage ich eine nervige Mücke tot, ist neuerdings mein erster Gedanke: Wieder kein Futter für die Vögel.

 

Ich erinnere mich, wie eine Freundin meine Mutterr vor 30 Jahren sagte (nebenbei bemerkt, sie kam aus Sachsen-Anhalt): Bei uns hörst du keinen einzigen Vogel, wenn sie gespritzt haben. Da fliegt ja auch keine einzige Mücke mehr.

 

So isses! Und es macht mir etwas aus.

 

Ich kann mich an einen älteren Herrn erinnern, der mir vor etlichen Jahren sagte, wenn er als Kind durch die Wiesen gerannt sei, seien Schwärme von Schmetterlinge aufgeflogen.

 

Hach! Wo sind sie denn, die Schwärme von Schmetterlingen?

 

Und vor Kurzem hörte ich einen Reporter über eine idyllische Landschaft im Radio sinngemäß schwadronieren: "Eine so schöne Landschaft, aber das Gesirre der Insekten würde aber schon sehr stören."

 

Ja, nervt total. Mückengesirre kann ich auch nicht gut leiden. (Davon abgesehen waren es Bienen, die im Radiobeitrag summten.) Wenn ich an meine Vogeleltern denke, die in diesem Jahr in jedem Krischbaum Nester gebaut haben - weil ich das gesamte Jahr durchgefüttert habe und weiterhin durchfüttern werde -, habe ich mir ein bisschen Glück zurückgeholt. Besser wäre, ich müsste nicht durchfüttern. Ich halte nichts davon, zufüttern zu müssen. Das ist so ähnlich wie sich falsch zu ernähren und sich dann die Vitamine durch Nahrungsergängungsmittel reinzuziehen. Gäbe es genug Insekten, müssten wir Vogelliebhaber nicht "aushelfen".

 

Ich kann die Politik nicht ändern.

Ich kann die Einstellung vieler Landwirte nicht ändern (was schwer ist angesichts der Übermacht der Firmen für Agrochemie / Pflanzenschutzmittel / Insektenvernichtungsmittel).

Ich kann die Gier nach Geld nicht ändern, die auf eine Ausbeutung von Landschaft, Tier (denken wir doch mal an die elenden Tiertransporte) und Wasser/Boden etc. beruht.

 

Was ich ändern kann, ist genau das in meinem Garten:

mehr blühende Pflanzen

Futterangebote, indem ich Brennesselherden stehenlasse

kleine "unordentliche" Bereiche, in denen Tiere sich zurückziehen können - Asthaufen für den Igel, Blindschleiche, Echsen, Zaunkönig u.m.

 

Ist das zu wenig. Ja! Bestimmt. Viel zu wenig angesichts der drohenden Folgen des Artenrückgangs. Aber irgendwo muss man anfangen. Ich schreibe zudem.

 

Tun Sie es auch! Fangen Sie an! Es kann nicht verkehrt sein. Irgendwann müssen wir der Öffentlichkeit zeigen, wo wir stehen. Und wenn ein paar Disteln in Ihrem Garten blühen, werden Sie von Schmetterlingen besucht, und von dem Nachbarn, der meckert. Ja, und den laden Sie zu sich ein und überzeugen ihn, wie wichtig es ist, auch an die Umwelt zu denken. Letztendlich bedeutet es nur, dass wir an uns denken. An unsere Kinder. An die Enkel. An die Zukunft.

 

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen ein schönes Gartenjahr

Ihre Astrid Seehaus