Ein Experiment - "Erasure literature"

 

Ich finde nicht, dass "Lyrik" leicht ist. Man mag es glauben, aber woher kommt diese Einstellung? Weil es sich reimt? Sie kennen sicherlich den Spruch "Reim dich oder ich fress dich!"

 

Lyrik ist ein weites Feld, und es gibt Einiges an Regeln zu beachten. Lassen wir mal die Regeln außen vor, was stellen wir dann fest?

 

Gefahr! Gefahr!

Nämlich ...

dass Grenzen verschwimmen,

 

Wie meine ich das denn schon wieder?

 

Nun, Grenzen zum Beispiel zu Unverständlichem oder Kitschigem. Romantische Sätze, die einen zum Lachen bringen, anstatt dass der Leser / die Leserin über die Worte sinnieren. Was einfühlsam klingen soll, wirkt vielleicht albern, was eine gesellschaftskritische Anspielung sein könnte, versteht keiner usw.

 

Aber ein Gedicht, das klaren Regeln folgt  ... ein gutes Gedicht, wenn Sie mir erlauben, es so auszudrücken, geht einem nicht mehr so schnell aus dem Kopf ... Es macht etwas mit einem.

 

Ein Gedicht ist eine Art Kurzgeschichte. Eine sehr kurze Kurzgeschichte mit Worten und Sätzen, die sich nicht reimen müssen, aber Eingang in unser Herz finden können. Ein Gedicht kann einen für Tage oder vielleicht sogar für länger nicht mehr aus dem Kopf gehen. Warum? Weil die Worte uns berühren? Weil sie einen Gedankenprozess in Gang bringen? Eine Eingebung vielleicht? Eine Erkenntnis? Oder einfach nur, weil wir die Wortakrobatik schön finden.

 

Malen Apel vermag genau das alles. Ihre Gedichte berühren, zwingen einen zum Nachdenken, finden wir schön. Man liest ihre Gedichte und bekommt die Worte und die Bilder, die durch die Worte entstanden sind, nicht mehr aus dem Kopf. Man sinniert über diese Satzkonstrukte und ist ein bisschen wie elektrisiert. Und nun hat uns die Lyrikerin mit einem Wortspiel- / Gedicht-Experiment beschenkt. Und jeder kann es selbst einmal ausprobieren.

 

Liebe Marlen, vielen Dank für diese wunderbare Idee!

 

Ihre Astrid Seehaus

 

 

Das Gedicht

Die Textvorlage, aus Nr. 4