Rudolf Scheide, der Literat aus Beuren - ein Nachruf

 

 

So viel Lebensfreude und Liebe waren in jeder seiner Zeilen, dass auch der trübste Tag zu einem sonnigen wurde. Gerade in den letzten Wochen vermisste ich Rudis Gedichte. Ich brauchte sie. Wenn die Wintertage nicht enden wollten, sorgten sie für Lichtblicke. Für den Sonnenstrahl, nach dem man sich an einem grauen Tag sehnt. Eine Mail von Rudi war immer etwas Besonderes.

 

 

Schon Jahre vorher, bevor ich Rudi gefragt habe, ob er an der 1. Eichsfeld-Krimianthologie 2016 mitwirken möchte, kannte ich ihn durch seine Bücher. „Das Monster von Scharfenstein“ von 2011 ist ein Titel, der sich vielen Eichsfelder Lesern eingeprägt hat. Begonnen hat er aber bereits 2002, seine Bücher sehr erfolgreich zu veröffentlichen. Und von da ab folgte Buch auf Buch, dabei spielten in seinen Geschichten die Tiere und ihr Schicksal eine besondere Rolle. Ob „Die Bernstein-Bärin von Worbis“, „Das tränende Auge“ oder „Toni, der kleine gequälte Stier“, Rudi schrieb mit Herz und aus vollem Herzen. Als Landwirt fühlte er sich der Kreatur, der Landschaft, der Natur besonders nahe, er liebte sein Eichsfeld.

 

 

Und die Leserinnen und Leser lieben seine Geschichten und Gedichte. Ein Gedicht, das mich besonders berührt - und ich weiß von meinen Kolleginnen und Kollegen, dass sie ähnlich fühlen -, ist das Gedicht „Feder Träume“.

 

Wie die Feder in der Luft lasse ich meine Gedanken fliegen. Fernab der Welt kann ich alle Sorgen besiegen. Meine Sinne schweben, von allem Irdischen befreit.“

 

 

Diese Zeilen hat Rudi zu einem Zeitpunkt geschrieben, als er bereits von seiner Krankheit gezeichnet war. Die jahrelange Krankheit, die er mit Würde trug, hat ihn nicht davon abgehalten zu schreiben. Und so darf ich sagen, dass es mich mit Stolz erfüllt, dass ich Rudi gekannt habe, dass er mich teilhaben ließ an seinen Gedanken und dass wir uns nicht nur als Literaten und Naturliebhaber begegneten, sondern immer auch als Menschen mit unseren Wünschen und Träumen.

 

 

An dieser Stelle verabschiede ich mich, auch im Namen aller Autorinnen und Autoren des Verlages, der „Eichsfelder Autorengemeinschaft“ von einem wunderbaren, warmherzigen und feinsinnigen Kollegen. Mit seinen Geschichten und Gedichten hat er maßgeblich zur kulturellen Vielfalt des Eichsfeldes beigetragen. Wir werden seine Lebensfreude, seinen Optimismus und seinen Humor vermissen.

 

Astrid Seehaus

 

 

 

Gedicht von Rudolf Scheide, 2017, aus "Ein Strauß voller Poesie":

 

 

 

Feder Träume

 

Es segelt hoch am Himmel eine Feder im Sonnenlicht.

 

Leuchtend wie Sternenstaub. Ein Ziel, das kennt sie nicht.

 

Sie kennt keine Grenzen, der Horizont so weit.

 

Sie kennt auch keine Pflichten, zeitlos ist ihre Zeit.

 

Wie die Feder in der Luft lasse ich meine Gedanken fliegen.

 

Fernab der Welt kann ich alle Sorgen besiegen.

 

Meine Sinne schweben, von allem Irdischen befreit.

 

Es ist ein Sehnsuchtsfühlen. Ich bin zu träumen bereit.

 

Ich wollt', ich wär' die Feder, schwebte sorglos dahin.

 

Aber leider ist die Wahrheit, dass ich auf Erden gefangen bin.