Wir schreiben.

Unsere Abenteuergeschichte

von Marlene Grimm, 11 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

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Was bisher geschah ...
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raunt es von überall her.

 


 

Du siehst es stets bei Sonnenschein,
am Mittag ist es kurz und klein
und wächst bei Sonnenuntergang
und wird gar wie ein Baum so lang!“

 


 

Wer raunt denn da?, frage ich mich und schaue mich neugierig um, bis mein Blick beim Fledermausmonster hängen bleibt. Sein Mund bewegt sich kaum, aber das, was er flüstert, wird vielfach von den Höhlenwänden zurückgeworfen.

 

Als das Monster fertig ist, flüstere ich Ayana zu: „Also fassen wir mal zusammen! Man sieht es bei Sonnenschein.“

 

Mmh, vielleicht eine spezielle Pflanze!“, schlägt Ayana vor.

 

Etwa eine, die nur Nachts wächst, aber so groß wie ein Baum wird?“, überlege ich.

 

Wenn es so wäre, könnte man die Pflanze aber nicht bei Sonnenschein sehen. Ich überdenke noch einmal unsere Ideen. Die Frage ist, was soll es sonst sein! Schnell teile ich meinen Gedanken Ayana mit.

 

Ich glaube, die Idee mit der Pflanze macht keinen Sinn!“

 

Ayana legt den Kopf schief und schaut mich fragend an. Ich versuche ihr zu erklären, weshalb ihre Theorie nicht wirklich zu dem Fledermaus-Monster-Rätsel passt.

 

Schau mal, wenn die Pflanze nachts oder abends wächst, wie kann man sie dann nur bei Sonnenlicht sehen?!“

 

Ayana nickt nur und scheint weiter nachzudenken. Ich lasse meinen Blick durch die Höhle schweifen und entdecke eine Nische an der Höhlendecke, durch die ein feiner Sonnenstrahl fällt. Und im selben Moment weiß ich es (zugegebenermaßen hat mir da eine Zwerg-Fledermaus geholfen, die Reißaus vor uns genommen hat).

 

Schatten!“, rufe ich begeistert. „Die Lösung ist Schatten!“

 

Ayana reißt die Augen weit auf. Ich sehe Hoffnung darin aufblitzen.

 

Wir rücken ein wenig näher an das Monster heran. An sich haben wir keine Angst mehr vor ihm, aber es ist immerhin groß. Größer als wir und … äh, irgendwie sieht es mit den Zähnen auch ziemlich beängstigend aus. Das Monster scheint gerade mit etwas beschäftigt zu sein.

 

Ayana wendet sie sich erneut an den Fledermausmenschen: „Wir haben eine Antwort und hoffen, dass du diese als richtig anerkennst!“

 

Er schaut sie an. Wartend. Ayana schluckt. Ich atme schwer.

 

Nun macht schon. Ich beiße ja nicht“, sagt das Monster und grinst.

 

Für mich sieht sein Lächeln aus wie Zähnefletschen. Ich staune, dass Ayana nicht sofort in Ohnmacht fällt, mir jedenfalls zittern die Knie.

 

Und da Ayana immer noch stockt, sagt er: „Ich bin gespannt auf euer Ergebnis. Mir würde es große Freude bereiten, euch einlassen zu dürfen. Da ihr seit langer Zeit die ersten wäret. Ich bekomme nur selten Besuch!“

 

Ich bekomme nun doch etwas Mitleid mit dem doch nicht so bösen Monster. Es muss sich bestimmt einsam fühlen. Ich stupse Ayana mit dem Ellenbogen an, die hochschreckt und ihm die Lösung mitteilt.

 

Unsere Antwort lautet: Schatten. Man sieht ihn bei Sonnenschein, doch am Mittag ist er klein. Bei Sonnenuntergang wird er immer größer und wird bei Dämmerung so lang wie in Baum.“

 

Aufgeregt warte ich auf seine Zustimmung.

 

Er seufzt zufrieden: „Ihr könnt passieren!“

 

Jubelnd umarme ich Ayana und kreische übermütig: „Komm mit, lieber Fledermausmensch! Wir können einen so guten Aufpasser wie dich gebrauchen!“

 

Ayana grinst ungläubig. Hat sie tatsächlich richtig gehört? Ich habe das Monster eingeladen mitzukommen. Möglicherweise hat sie noch Angst vor ihm. Ich habe sie jedenfalls nicht. Ihm laufen Freudentränen über die Wangen.

 

Noch nie in meinem ganzen Leben als Wächter der Höhle hat mir jemand angeboten, mit ihm zu kommen. Ihr wisst gar nicht, wie dankbar ich euch bin!“

 

Ich lächle. Auch Ayana strahlt über das ganze Gesicht.

 

Gemeinsam gehen wir durch die nun offene Tür und weiter den Weg entlang, der sich hinter der Tür befindet. Während wir gespannt nach allen Seiten Ausschau halten, lauschen wir den Worten des Fledermonsters.

 

Mein Erscheinen ist zwar gruselig, aber ich war nicht immer ein Monster. Vor einigen Jahren, als ich noch Mensch war, war ich dem Geheimnis auf der Spur - so wie ihr. Ich bin durch Zufall auf diese Höhle gestoßen und musste das Rätsel lösen. Leider habe ich versagt. Als Strafe musste ich den Platz des damaligen Wächters einnehmen. Und niemand kam. Ich war einsam. Man fürchtete mich, und niemand traute sich von da an in die Höhle. Ich kann nur erlöst werden, wenn ein anderer das Rätsel nicht lösen kann. Dann wäre ich frei.“

 

Oh“, machten Ayana und ich. Beide dachten wir das gleiche: Hätten wir das Rätsel nicht gelöst, wären wir jetzt Höhlenwächterinnen.

 

Ayana wurde schlagartig blass.

 

Das Fledermausmonster redete weiter. „Oder jemand ist trotz meines Aussehens nett zu mir und nimmt mich auf diese rätselhafte Reise mit.“

 

Mit Schrecken sehe ich den fahlen Strahl vor uns. Die Zeit läuft uns davon ...

 

 

  SCHLUSSTEIL FOLGT